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84 Tote bei Anschlag mit LKW in Nizza

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Bei einem Anschlag am franzö­si­schen Natio­nal­fei­ertag sind in der Hafen­stadt Nizza mindes­tens 84 Menschen getötet worden. Zahlreiche weitere wurden nach Angaben von Innen­mi­nister Bernard Cazeneuve verletzt, als ein Lastwagen am Donners­tag­abend auf einer Strecke von zwei Kilome­tern durch eine feiernde Menschen­menge auf der berühmten Uferstraße Prome­nade des Anglais fuhr. Medien­be­richten zufolge brach Panik aus. Polizisten erschossen den Fahrer. Cazeneuve sprach von einem Terro­risten, Präsi­dent François Hollande von einem terro­ris­ti­schen Charakter der Tat.Dem Staats­chef zufolge gab es bisher keine Hinweise auf Komplizen. Unter den Toten seien auch Kinder. „Wir müssen alles tun, um die Geißel des Terro­rismus zu bekämpfen“, sagte er in Paris. Die Anti-Terror-Staats­an­walt­schaft übernahm die Ermitt­lungen. Weltweit reagierten Politiker bestürzt auf den erneuten Anschlag in dem Land. Tillich: "Unsere Herzen sind bei den Hinter­blie­benen, bei den Familien und Freunden"Sachsens Minis­ter­prä­si­dent Stanislaw Tillich hat den brutalen Terror­an­schlag von Nizza am Natio­nal­fei­ertag Frank­reichs aufs das Schärfste verur­teilt. „Ein Tag der Freude wurde zu einem Tag der Trauer. Erneut ist Frank­reich Opfer eines verab­scheu­ungs­wür­digen terro­ris­ti­schen Anschlags geworden. Wir trauern mit Frank­reich um die Opfer. Unsere Trauer darf aber kein Zurück­wei­chen vor dem Terror sein. Unsere gemein­same Antwort auf diesen wieder­holten Anschlag auf unsere europäi­schen Werte und unsere Freiheit muss ihre gemein­same entschlos­sene Vertei­di­gung sein. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und Verletzten in Nizza. Unsere Herzen sind bei den Hinter­blie­benen, bei den Familien und Freunden, die trauern oder noch hoffen.“ Anschlag auf beliebter Flanier­meileDie Prome­nade des Anglais ist eine der bekann­testen Flanier­meilen Europas. Der Zeitung „Nice Matin“ und dem Regio­nal­po­li­tiker Chris­tian Estrosi zufolge sollen die Passanten nicht nur umgefahren, sondern auch beschossen worden sein. In Medien­be­richten hieß es, in dem Lastwagen seien die Ausweis­pa­piere eines 31-jährigen, franko-tunesi­schen Einwoh­ners von Nizza gefunden worden. In dem an der Prome­nade des Anglais gelegenen Luxus­hotel Negresco wurde ein behelfs­mä­ßiges Lazarett einge­richtet. Das Auswär­tige Amt in Berlin riet dringend dazu, den Anwei­sungen der franzö­si­schen Sicher­heits­kräfte Folge zu leisten und sich zur Lageent­wick­lung über die Medien infor­miert zu halten. Hollande kündigte an, dass der seit den Anschlägen vom 13. November geltende Ausnah­me­zu­stand, der am 26. Juli beendet werden sollte, um drei weitere Monate verlän­gert werden soll. Das Parla­ment solle darüber in der kommenden Woche entscheiden. „Ganz Frank­reich ist vom islamis­ti­schen Terro­rismus bedroht“, sagte der Staats­chef. Deswegen sollten zusätz­lich Soldaten und Reserven bei den Sicher­heits­kräften mobili­siert werden. Hollande kündigte eine Verstär­kung der franzö­si­schen Aktivi­täten im Irak und in Syrien an. Dort beschießen franzö­si­sche Flugzeuge als Teil der inter­na­tio­nalen Koali­tion Angriffe gegen Stellungen der Terror­miliz Islami­scher Staat (IS). Bundes­prä­si­dent Joachim Gauck kondo­lierte Hollande: „Der 14. Juli, der Tag an dem Frank­reich seinen Natio­nal­fei­ertag begeht, steht für die Werte der franzö­si­schen Revolu­tion, die auch unsere Werte sind. Ein Angriff auf Frank­reich ist deshalb ein Angriff auf die gesamte freie Welt“, hieß es in dem Schreiben laut Bundes­prä­si­di­alamt. Die Teilnehmer des Asien-Europa-Gipfels (Asem) in der Mongolei gedachten der Opfer in einer Schwei­ge­mi­nute. US-Präsi­dent Barack Obama erklärte: „Wir stehen in Solida­rität und Partner­schaft an der Seite Frank­reichs, unseres ältesten Alliierten.“ Die Bürger­meis­terin von Paris, Anne Hidalgo, ordnete Trauer­be­flag­gung in der Haupt­stadt an.Frank­reich war wieder­holt Ziel von Anschlägen. Bei islamis­ti­schen Atten­taten waren im vergan­genen Jahr 149 Menschen gestorben, davon 130 bei der Pariser Terror­serie am 13. November 2015. Während der kürzlich zu Ende gegan­genen Fußball-Europa­meis­ter­schaft hatte ein Mann, der sich zum IS bekannte, nahe Paris einen Polizisten und dessen Partnerin umgebracht. Das Turnier fand unter strengsten Sicher­heits­vor­keh­rungen statt - wie auch die Feiern zum Natio­nal­fei­ertag. Für die tradi­tio­nelle Militär­pa­rade auf den Champs-Élysées in Paris wurden rund 11 500 Sicher­heits­kräfte mobili­siert. Am Natio­nal­fei­ertag wird der Erstür­mung des Pariser Bastille-Gefäng­nisses am 14. Juli 1789 gedacht, die als Beginn der Franzö­si­schen Revolu­tion gilt.