Airbus in Rothenburg komplett zerlegt

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Das Pilotprojekt auf dem Flugplatz Rothenburg geht in die entscheidende Phase. Nachdem ein 55 Tonnen schwerer Airbus A 320 in den vergangenen vier Monaten zerlegt und Komponenten und Materialien zur Wiederverwertung aufbereitet wurden, gehe es nun darum, die Stellschrauben für einen kommerziellen Betrieb zu stellen, sagte uns Projektleiter Dr. Kay-Uwe Hörl von den Elbeflugzeugwerken (EFW) Dresden.

"Novum in der Flugzeugbranche"

Bis auf 15 Prozent seien alle Komponenten und Materialien wiederverwertbar. Die Recyclingquote konnte damit erhöht werden. Normalerweise landen rund 30 Prozent eines Flugzeuges auf der Deponie oder im Ofen.  "Wir bekommen mit dem Projekt eine Kreislaufwirtschaft dargestellt. Das ist das Novum in der Flugzeugbranche." Die technische Machbarkeit sei damit nachgewiesen worden.

Aber macht die Verwertung in Rothenburg auch wirtschaftlich Sinn? Das wird derzeit untersucht. "Wir haben uns bei dem Prototypen oftmals mit pragmatischen Lösungen beholfen, haben Ausrüstungen teilweise angemietet." Das müsse im industriellen Prozess anders laufen. Die Schweizer „EcoFly“, einer der Partner des Projekts, analysiert derzeit Materialien des zerlegten A 320. Die Fachleute untersuchen u.a., ob es sich lohnt, Legierungen herauszulösen. 

Legierungen und Verbundstoffe sind noch ein Problem

In Rothenburg könnten Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge zerlegt werden. Dafür hätte der Platz die Voraussetzungen. Auch der Markt sei vorhanden, ist Hörl überzeugt angesichts der vielen Flugzeuge, die seit Beginn der Corona-Krise schon ausgemustert wurden und noch werden. Aber es muss sich eben rechnen. Mit Komponenten wie Triebwerken, Pumpen und Bordcomputern könne Geld verdient werden. Anders sehe es im Moment noch mit Alu- und Titanlegierungen oder Verbundstoffen aus.

"Zweites Leben"

Teile des in Rothenburg zerlegten Airbus haben inzwischen ein zweites Leben bekommen. Das Cockpit wird zum Flugsimulator. Das Fahrwerk hängt  an einem neuen Flieger. Auch Hilfsturbine und Triebwerke sind wieder in der Luft.

Zu den Projekt-Partnern der Elbeflugzeugwerke gehört der Landkreis Görlitz. Wirtschaftsdezernent Thomas Rublack schätzt den Pilotversuch positiv ein. Weitere Flugzeuge sollen folgen, wünscht er sich. Aber was ist aus dem begleitenden Forschungsprojekt geworden? "Es konnte leider nicht weiter verfolgt werden. Einer der Partner ist ausgestiegen. Es wäre eine gute Unterstützung der Pilotphase gewesen."

Entscheidung bis zum Sommer

Spätestens bis zum Sommer soll eine Entscheidung fallen, ob das Projekt fortgesetzt und auf eine kommerzielle Startbahn gebracht wird.

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Reporter Knut-Michael Kunoth