Barmer: Pflegenotstand wird in Sachsen größer als bislang angenommen

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Der Pflegenotstand in Sachsen wird nach Berechnungen der Krankenkasse Barmer brisanter als bisher angenommen. Bis zum Jahr 2030 werden etwa 3.000 Pflegekräfte im Freistaat mehr benötigt als bisher berechnet, wie aus dem am Donnerstag vorgestellten Barmer-Pflegereport hervorgeht. Grund sei ein deutlich höher prognostizierter Anstieg Pflegebedürftiger aufgrund der demografischen Entwicklung, des vereinfachten Zugangs zu Leistungen und der immer längeren Verweildauer in der Pflege.

Insgesamt ist demnach bis 2030 im Freistaat mit rund 348.000 Pflegebedürftigen zu rechnen, etwa 38.000 Menschen mehr als bislang berechnet. Die Krankenkasse hatte als Grundlage die Daten von bundesweit mehr als 9,13 Millionen Versicherten ausgewertet, in Sachsen waren es 320.000.

"Die Analysen zeigen einen alarmierenden Zukunftstrend, und die Zeit drängt. Bereits heute fehlen Pflegekräfte. Es müssen rasch die Weichen für eine verlässliche und qualitativ hochwertige Pflege gestellt werden", sagte Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der Barmer in Sachsen. Dabei seien die Folgen der berufsbezogenen Impfpflicht für Gesundheitswesen und Pflege noch nicht eingerechnet.

Laut Barmer werden in Sachsen im Jahr 2030 etwa 73.000 Pflegekräfte in der ambulanten und stationären Altenpflege gebraucht, 2019 waren es 60.000. "Das ist eine Steigerung um mehr als 20 Prozent. Dabei ist in der Pflege jetzt schon alles auf Kante genäht", betonte Magerl. Der Pflegeberuf müsse vor diesem Hintergrund deutlich attraktiver werden.

Neben einer angemessene Bezahlung seien bessere Arbeitszeitmodelle nötig, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern. Darüber hinaus sollte das Thema Pflege schon während der Schulzeit umfassend behandelt werden, betonte Prof. Jörg Klewer, Studiendekan der Fakultät Gesundheits- und Pflegewissenschaften der Westsächsischen Hochschule Zwickau. So könnte ein breiteres Wissen über Pflegebedürftigkeit, Pflegeversicherung und persönliche Vorsorge entwickelt werden. (dpa)