Bombardierwerker in Görlitz und Bautzen hoffen und bangen
Hoffen und bangen an den sächsischen Bombardier-Standorten Görlitz und Bautzen. Nun ist es offiziell: Der französische Bahn-Hersteller Alstom will das Zuggeschäft des kanadischen Konkurrenten Bombardier übernehmen. Dazu gebe es jetzt eine entsprechende Absichtserklärung, teilte Alstom am Abend in Saint-Ouen bei Paris mit. Der Übernahmepreis wurde mit 5,8 bis 6,2 Milliarden Euro beziffert.
Die Übernahme könnte jedoch auf Widerstand der Kartellbehörden stoßen. Die Hürden für ein Zusammengehen sind hoch. Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge zeigte sich aber optimistisch, dass die Brüsseler Wettbewerbshüter die Übernahme billigen. Der Deal mit den Kanadiern unterscheide sich deutlich von einem früher geplanten Zusammenschluss mit der Siemens-Zugsparte. Alstom war vor einem Jahr an Bedenken der EU-Wettbewerbskommission mit dem Versuch gescheitert, mit Siemens Mobility zu fusionieren.
Der Alstom-Chef sprach von einer „neuen, historischen Etappe im Leben unseres Konzerns“. Die Zugsparte von Bombardier brauche aber wegen der Schwierigkeiten der kanadischen Gruppe zunächst „Stabilität“. Er verwies darauf, dass Bombardier sowohl bei Signalanlagen als auch bei Hochgeschwindigkeitszügen deutlich schwächer sei als Alstom. Alstom und Bombardier ergänzten sich. So sei Alstom in Südeuropa stärker, während Bombardier in nordeuropäischen Ländern seinen Schwerpunkt habe.
Poupart-Lafarge sagte, das Ziel der Übernahme sei keine Restrukturierung der Unternehmen. „Die Fusion ist offensiv, nicht defensiv.“ Das Bahngeschäft sei in voller Expansion. Es könne jedoch in einzelnen Fabriken zu „Anpassungen“ kommen, Details dazu nannte er nicht. Die Übernahme soll laut Alstom im ersten Halbjahr kommenden Jahres abgeschlossen werden.
Die IG Metall ist kampfbereit, sollte es nach dem Kauf zum Stellenabbau kommen. Die IG Metall will keine einseitige Konsolidierung in Deutschland akzeptieren. Sie hat die Bundesregierung aufgefordert, sich aktiv in die Gespräche von Bombardier und Alstom einzuschalten. Und noch eine Forderung: Bombardier müsse jetzt die Karten auf den Tisch legen und Klarheit für die Beschäftigten und die Standorte schaffen. In Görlitz und Bautzen sind es über 2.000.