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Chemnitzer Filmfestival endet mit Besucherrekord

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Chemnitz -

Chemnitz ist alljährlich Treffpunkt der internationalen Kinder- und Jugendfilmszene. Nach den Ereignissen der vergangenen Wochen war das Stelldichein der Welt für die Stadt wichtiger denn je.

Chemnitz (dpa/sn) - Mit einem Rekord von etwa 25 000 Besuchern ist am Samstagabend das Kinder- und Jugendfilmfestival «Schlingel» in Chemnitz zu Ende gegangen. Zum Abschluss wurden die Hauptpreise nach Indien, Island und Südafrika vergeben. Nach Angaben der Organisatoren gewann der indische Streifen «Pahuna - Zuhause im Wald» (Regie: Paakhi A. Tyrewala) den mit 12 500 Euro dotierten Europäischen Kinderfilmpreis. Ausgezeichnet wurden zudem «Erdmännchen und Mondrakete» von Hanneke Schutte aus Südafrika (10 000 Euro) - ein größtenteils im Regenwald gedrehter Film. Und «Die Falken» von Regisseur Bragi Thor Hinriksson aus Island (5000 Euro).

Der zehnjährige Inder Tathastu erhielt als bester Kinderdarsteller ein Fahrrad. Er begeisterte die Jury mit seiner «glaubwürdig gespielten Rolle». Den mit 1000 Euro dotierten Preis der Jugendjury errang Regisseur Ben Brand aus den Niederlanden für «Schmeisst die Schlampe in den Fluss». Dabei geht es um Konsequenzen aus unbedachten Handlungen in Zeiten von Social Media. Die Jury lobte dynamische Kameraführung, passende Musik und überzeugende Leistungen der Schauspieler, mit der er eine wahre Geschichte fesselnd auf die Leinwand brachte - bis zum schockierenden Ende.

Prämiert wurden auch Filme aus Deutschland, Irland, Italien, Kanada, Luxemburg, Russland, Spanien, Tschechien und der Ukraine. Bester Kurz- und Animationsfilm wurde «Käpt'n Morten und die Spinnenkönigin», ein Gemeinschaftswerk aus Estland, Großbritannien, Irland und Belgien. Die deutsch-kenianische Produktion «Supa Modo» (Regie: Likarion Wainaina) über das todkranke Mädchen Jo wurde sogar zweifach preisgekrönt, als «filmisches Kleinod». Insgesamt vergaben die zehn Jurys 18 mit insgesamt 64 000 Euro dotierte Preise.

Das Festival habe «mit fesselnden Geschichten, eindrucksvollen Bildern und unvergesslichen Momenten qualitativ hochwertigen Kinogenuss fernab des amerikanischen Blockbuster-Kinos» geboten, resümierte Leiter Michael Harbauer. Insgesamt liefen 235 Produktionen aus 51 Ländern über Leinwände, 124 davon im Wettbewerb. Sie waren aus 1100 Einreichungen ausgewählt worden.

Die 23. «Schlingel»-Ausgabe gab Einblick in ferne Länder und andere Kulturen, informierte zu gesellschaftlichen Besonderheiten und warb für den Blick über den Tellerrand, erklärte Harbauer. Unter den Gästen des Festivals, das wenige Wochen nach rechten Demonstrationen und fremdenfeindliche Übergriffen stattfand, waren auch rund 400 Fachbesucher aus aller Welt - Filmemacher, Journalisten, Produzenten, Verleiher. Laut Harbauer erlebten sie Chemnitz «als weltoffene und begeisterungsfähige Stadt». (dpa)