Chemnitzer Schilfboot will bis Ägypten segeln
Der Chemnitzer Forscher Dominique Görlitz bereitet in Bulgarien eine neue Schilfboot-Expedition vor. Mit der Abora 4 will er vom Schwarzen Meer über Istanbul und Kreta bis nach Ägypten segeln. Das Boot wird derzeit nach prähistorischen Vorbild am Strand von Warna zusammengebaut, dabei wird vor allem Schilf und Holz verwendet. Das Schilf hat Dominique Görlitz extra aus Bolivien anliefern lassen. Für übernächste Woche ist der Stapellauf geplant. Zuvor müssen Rumpf und Aufbauten noch zusammengesetzt werden.
„Wir haben den Hauptrumpf fertig verschnürt und heben jetzt die Relingrollen erstmals auf das vorgefertigte Schilfboot“ berichtet Görlitz. „Damit nähern wir uns der Endfertigung des Schilfrumpfes. Auf diesen oberen Schilfbündeln setzen wir nächste Woche die Aufbauten auf. Dafür binden und werkeln unsere Mitglieder Stunde um Stunde.“ Bis spätestens Montagabend muss alles fertig sein, erklärt der Expeditionsleiter. „Denn ich habe für Dienstagfrüh einen Kran bestellt. Der Kran wird die kleine und große Korbhütte und als letztes den mächtigen Doppelmast auf den Bootskörper heben.“
Ein Filmteam hat einen Bericht über den Bootsbau in Bulgarien gedreht. Hier kann er angeschaut werden.
Mit der Expedition will Görlitz nachweisen, dass die Seefahrer der Antike weiter gekommen sind, als man bisher denkt. Mit seinen selbstgebauten Schilfbooten hatte der Chemnitzer schon mehrfach für Aufsehen gesorgt. So hatte er zum Beispiel 2007 versucht, mit der Abora 3 von Amerika aus den Atlantik zu überqueren. Die Fahrt musste nach heftigen Stürmen abgebrochen werden. Sie hatten dem Schilfboot arg zugesetzt. Es wurde dabei am Heck beschädigt und musste mitten auf dem Atlantik notdürftig umgebaut werden.
Theoretisch hätte man so weitersegeln können, doch dann kam ein weiteres Tiefdruckgebiet. Den meterhohen Wellen hätte das Boot wahrscheinlich nicht mehr standgehalten, deshalb wurde die abenteuerliche Überfahrt nach knapp 60 Tagen abgebrochen. Expeditionsleiter Dominique Görlitz war danach trotzdem zufrieden, denn er konnte beweisen, das Schiffe aus der Steinzeit das Potential haben, den Atlantik zu überqueren.