• Ärzte in Schutzanzügen behandeln im Krankenhaus «Zhongnan» der Universität Wuhan einen Patienten. Foto: Xiong Qi/XinHua/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Ärzte in Schutzanzügen behandeln im Krankenhaus «Zhongnan» der Universität Wuhan einen Patienten. Foto: Xiong Qi/XinHua/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Erste bestätigte Corona-Infektion in Deutschland

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In Deutschland ist erstmals eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt worden. Ein Mann aus dem Landkreis Starnberg in Bayern habe sich infiziert, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in München am späten Montagabend mit.

Der Patient befindet sich nach Angaben der «Task Force Infektiologie» des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) klinisch in einem guten Zustand, wie es in der Mitteilung hieß. «Er wird medizinisch überwacht und ist isoliert.» Menschen, die engen Kontakt mit dem Patienten hatten, würden ausführlich aufgeklärt und über mögliche Symptome, Hygienemaßnahmen und Übertragungswege informiert.

Das bayerische Gesundheitsministerium und das LGL wollen die Öffentlichkeit am Dienstagvormittag bei einer Pressekonferenz informieren. Der Ministeriumssprecher betonte: «Das Risiko für die Bevölkerung in Bayern, sich mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren, wird von der "Task Force Infektiologie" des LGL und vom Robert Koch-Institut (RKI) derzeit als gering erachtet.»

Mittlerweile sind weltweit fast 2800 Infektionen mit dem von China ausgehenden Virus 2019-nCoV bestätigt. Die Zahl der Toten in China stieg auf 80.

Deutsche Reiseveranstalter ziehen Konsequenzen

China-Reisende können umbuchen oder stornieren

Nach der Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit in China ziehen mehrere deutsche Reiseveranstalter Konsequenzen. Kunden können bevorstehende Trips umbuchen oder stornieren. Die wirtschaftlichen Folgen für die Branche dürften sich aber in Grenzen halten. Für viele Veranstalter ist China kein großer Markt. Umgekehrt ist Deutschland dagegen ein beliebtes Reiseziel für Touristen aus China. Peking hatte jüngst den Verkauf von Pauschalreisen auch ins Ausland untersagt.

Tui-Kunden, die in den nächsten zwei Wochen eine China-Reise geplant haben, können gebührenfrei auf einen anderen Reisetermin umbuchen, wie der deutsche Branchenprimus am Montag auf Anfrage mitteilte. Aktuell hat Tui nach eigenen Angaben nur wenige Gäste in dem Land. Hauptreisezeit ist der Sommer. «Wir stehen weiterhin in Kontakt mit den Behörden und beobachten die Situation genau», sagte eine Sprecherin.

DER Touristik bietet kostenlose Stornierungen und Umbuchungen für China-Reisen mit Abreisetermin bis 31. März an. Die Veranstaltermarken Dertour, Meiers Weltreisen und ADAC Reisen haben das Reich der Mitte im Programm. Aktuell ist eine knapp dreistellige Anzahl von Gästen in dem Land unterwegs. Sie würden mit SMS und Aushängen in den Hotels auf dem Laufenden gehalten, erklärte DER Touristik. Man beobachte die Lage genau.

Gäste der FTI Group können nach Angaben des Veranstalters Trips mit Abreisedatum bis einschließlich 21. Februar kostenfrei umbuchen oder stornieren.

Studiosus sagte unterdessen Reisen in das Land bis einschließlich 15. April ab. «Vor dem Hintergrund einer anhaltenden Lage-Verschlechterung und der Verschärfung der Reisehinweise des Auswärtigen Amtes sehen wir derzeit keine Möglichkeit, geplante Chinareisen durchzuführen», teilte der Anbieter auf seiner Homepage mit. Mit einer raschen Entspannung werde nicht gerechnet.

Aktuell hat Studiosus nach eigenen Angaben keine Gäste in China. Der nächste Trip sollte ab dem 15. März stattfinden. China-Gäste mit Abreise bis zum 31. Mai können kostenlos umbuchen oder stornieren.

Das Auswärtige Amt in Berlin riet dazu, nicht notwendige Reisen in die betroffenen Gebiete zu verschieben. Allgemein sei derzeit mit erheblichen Einschränkungen der Mobilität innerhalb Chinas zu rechnen. Der Erreger ist inzwischen in fast jeder Provinz oder Region des Landes aufgetaucht.

China ist für deutsche Veranstalter eher ein kleiner Markt. Der Deutsche Reiseverband (DRV) wies darauf hin, dass jährlich etwa 600 000 bis 650 000 Bundesbürger in das Land reisen. Davon sind etwa zwei Drittel Geschäftsreisende.

Für den Deutschland-Tourismus sind Gäste aus China von größerer Bedeutung. So wurden nach jüngsten Daten 2018 etwa 3 Millionen Übernachtungen von chinesischen Reisenden in Hotels, Pensionen und anderen Unterkünften zwischen Rügen und Garmisch-Partenkirchen gezählt. Sie belegten damit Platz 12 im Ranking ausländischer Urlauber. Hauptreisesaison sind die Sommermonate.

«Das hohe Ausgabeverhalten der Chinesen mit einem Umsatz von sechs Milliarden Euro 2018 spiegelt die wirtschaftliche Bedeutung für den Einzelhandel und die Tourismus- und Freizeitindustrie im Reiseland Deutschland wider», sagte Petra Hedorfer, Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT). Ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen bei Chinesen nach Angaben der DZT München, Frankfurt, Berlin und Köln.

Welche Folgen die Reisebeschränkungen hätten, hänge davon ab, wie diese weiter ausgestaltet würden und wie lange sie in Kraft blieben. Aktuell wurden den Angaben zufolge Gruppen- und Pauschalreisen ins Ausland mit Abreisedatum ab Montag (27. Januar) abgesagt.

Bundesregierung erwägt Rückholaktion

Maas: mögliche Evakuierung werde in Betracht gezogen

Die Bundesregierung erwägt wegen der Ausbreitung des neuen Coronavirus, ausreisewillige Deutsche aus China auszufliegen. Eine mögliche Evakuierung werde in Betracht gezogen, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Montag in Berlin. Demnach geht das Auswärtige Amt von einer zweistelligen Zahl von Deutschen in der besonders betroffenen Region aus. Der Krisenstab sei am Montagvormittag zusammengekommen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Andere Länder wie Frankreich und die USA haben solche Rückholaktionen bereits in die Wege geleitet.

Deutschland auf Coronavirus gut vorbereitet

Bundesgesundheitsminister sieht Deutschland gut gewappnet

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht Deutschland für den Fall eines Auftretens des neuen Coronavirus hierzulande gut gewappnet. «Grundsätzlich sind wir wachsam, wir nehmen die Dinge sehr ernst, wir sind aber auch gut vorbereitet», sagte Spahn am Montag in Berlin. Pandemie- und Umgangspläne sorgten für Klarheit, was im Fall der Fälle an den Flughäfen und an den Kliniken zu tun sei.

Passagiere aus China würden durch mehrsprachige Flyer informiert, erläuterte Spahn. Dabei gehe es vor allem darum, dass sich Passagiere mit Symptomen aus den entsprechenden Regionen «sehr zügig» zu erkennen geben und einen Arzt aufsuchen, so dass schnell Diagnostik und Therapie starten könne. «In einem nächsten Schritt würden die Kontaktpersonen identifiziert, die die betreffende Person in Deutschland, in Europa gehabt hat», so Spahn weiter. «Diese Kontaktpersonen würden informiert, aufgesucht und beraten und gegebenenfalls behandelt werden.»

Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums ergänzte, sie könne nicht ausschließen, dass es auch Kontrollen in Form von Screenings an den Flughäfen geben werde. Derzeit rate die Weltgesundheitsorganisation von Screenings aber ab.

Zur «Einordnung» betonte Spahn, dass der Krankheitsverlauf beim Coronavirus milder sei als etwa bei einer Grippe. «An einer Grippe, wenn sie schwer verläuft, sterben in Deutschland bis zu 20 000 Menschen im Jahr.» Auf die Frage, ob in Deutschland wie in China auch die Abschottung ganzer Städte möglich sei, führte Spahn das Beispiel von Masern an, die deutlich ansteckender seien als das Coronavirus. «Und wir bekommen auch einen Masern-Ausbruch in Deutschland mit deutlich milderen Maßnahmen in den Griff, als wir sie derzeit in China sehen.»

Das Robert Koch-Institut für Infektionskrankheiten und andere nationale Behörden seien in ständigem Austausch, mit den Behörden der Bundesländer, national und international. «Jeder hat seine genau zugewiesene Aufgabe», sagte Spahn. «Im Fall der Fälle weiß jeder, wer verantwortlich ist und was er zu tun hat.» Auch aus der Sars-Epidemie 2002/2003 habe man dazugelernt.

Fakten zum Coronavirus

Das Bundesgesundheitsministerium informiert

 

Wann kam die erste Information über den Ausbruch?

Am 31. Dezember 2019 wurde das WHO-Landesbüro in China über eine Häufung von Patienten mit einer Pneumonie (Lungenentzündung) unbekannter Ursache in Wuhan, einer Stadt mit 19 Millionen Einwohnern in der Provinz Hubei, China, informiert.

Wo liegt der Ursprung?

Nach Angaben der chinesischen Behörden in Wuhan waren einige Patienten als Händler oder Verkäufer auf dem Huanan-Seafood-Markt in Wuhan tätig. Es ist der größte Seafood-Markt in Wuhan mit über 600 Ständen und 1.500 Arbeitern. Es wird berichtet, dass auch Wildtiere bzw. Organe von anderen Tieren und Reptilien auf dem Markt angeboten wurden.

Gab es ähnliche Fälle bereits?

Bei dem neuen Virus handelt es sich um einen Erreger aus der Familie der Coronaviren, also aus derselben Familie wie das SARS (severe acute respiratory syndrome) und das MERS-CoVirus (Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus).

In Deutschland waren im Jahr 2003 neun wahrscheinliche SARS-Fälle, wovon letztlich vier Patientenproben negativ waren. Eine Weiterverbreitung der Erkrankung innerhalb Deutschlands ist nicht aufgetreten.

Wie erfolgt die Übertragung?

Aktuell wissen wir hierüber noch zu wenig. Die Mensch-zu-Mensch-Übertragung von SARS erfolgt(e) hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion (selten auch Schmierinfektion). Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Erkrankungsbeginn, beträgt ca. zwei bis sieben, maximal aber bis zehn Tage.

Wie äußert sich die Krankheit?

Die klinischen Anzeichen und Symptome der Erkrankung sind hauptsächlich Fieber, wobei einige Patienten Schwierigkeiten beim Atmen haben.

Die möglichen Symptome bei SARS waren Fieber über 38°C, in Kombination mit Husten, Myalgien (Muskelschmerzen), Atemnot oder Kurzatmigkeit.

Gibt es eine Impfung?

Bisher ist keine sichere Schutzimpfung verfügbar.

Wie ist die Therapie?

Eine spezifische Therapie liegt nicht vor. Die Symptome werden behandelt.