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Erzgebirge feiert Welterbetitel

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Im Schein von 500 Grubenlichtern werden am Samstagabend mehr als 500 Bergleute auf dem Freiberger Obermarkt Aufstellung nehmen: Mit einem großen bergmännischen Zapfenstreich (ab 21.00 Uhr) feiert die Montanregion Erzgebirge/Krusnohorí die offizielle Übergabe der Welterbe-Urkunde. „Diese Zeremonie ist die höchste Huldigung der Bergleute und ganz besonderen Anlässen vorbehalten“, sagte Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger der Deutschen Presse-Agentur.

Die Bergstadt wird damit am Wochenende zum Mittelpunkt des Erzgebirges: Ab 15.00 Uhr können Besucher das gesamte Welterbe - 17 Bestandteile auf sächsischer und fünf auf tschechischer Seite - an zahlreichen Infoständen auf einen Blick erkunden.

Mit einer Bergparade (ab 17.00 Uhr) gratuliert die Stadt Alexander von Humboldt zum 250. Geburtstag. Der Universalgelehrte ist demnach der wohl berühmteste Absolvent der TU Bergakademie Freiberg. „Es ist diese Vergangenheit, es sind diese Traditionen und Leistungen, die die Region bis heute prägen und die der Welterbe-Titel nun adelt“, ist der OB überzeugt.

Wirtschaftlich spiele der Bergbau in der Stadt keine Rolle mehr, die letzten Freiberger Gruben wurden demnach 1969 geschlossen. Doch als lebendiges Weltkulturerbe werde die gesamte Region profitieren, mehr Touristen anziehen, aber auch Fachkräfte, so Krüger. 

„Der Welterbe-Titel war von Anfang an mehr als ein reines Denkmal- oder Tourismusprojekt. In erster Linie geht es um Regionalentwicklung“, ergänzt Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge. Die Bewerbung habe die Identität der Erzgebirger gefördert und der ländlichen Region viel Stolz gegeben. „Seit dem Titelgewinn ist das Thema allgegenwärtig.“

Kurzfristig erhoffe man sich natürlich Zuwächse im Tourismus: 2018 verzeichnete das Erzgebirge mehr als drei Millionen Übernachtungen. Mittel- und langfristig müsse es vor allem darum gehen, neue Zielgruppen für die Region zu begeistern, meint Lißke. Das gelte für jüngere Gäste, aber auch für Besucher aus dem Ausland, die zuletzt sachsenweit einen Anteil von 6,2 Prozent bei den Übernachtungen ausmachten.

„Entscheidend ist, dass der Erlebnisfaktor Welterbe vor Ort passiert“, sagt Lißke. Bis zum Frühjahr sollen daher zunächst alle Bestandteile entsprechend beschildert sein. In einem nächsten Schritt werde es um die Vermarktung gehen. Außerdem soll diese Woche noch eine Welterbe-App an den Start gehen. Darüber hinaus wird der Welterbeverein - ein Zusammenschluss von 32 Städten und Gemeinden sowie drei Landkreisen - ab Januar 2020 selbstständig und mit eigenem Personal arbeiten. Bislang liefen alle Fäden bei der Wirtschaftsförderung zusammen.

Die Unesco hat die Montanregion Anfang Juli als Weltkulturerbe anerkannt, 20 Jahre nachdem das Erzgebirge auf die Vorschlagsliste gesetzt wurde. Aktuell gibt es weltweit 1121 Welterbestätten in 167 Ländern, 46 davon in Deutschland. (dpa)