Es ist überstanden! Ostritz kann aufatmen
Ostritz kann aufatmen. Die befürchteten Ausschreitungen blieben aus. Die Polizei hatte die Lage im Griff. Sie war überall im Stadtgebiet präsent."Unser Einsatzkonzept ist aufgegangen. Die von manchen offenbar befürchteten Tumulte gab es nicht", so das Fazit von Polizeidirektor Holger Löwe. Bis zu 1.900 Polizisten sorgten für Ruhe und Ordnung. Zur Unterstützung waren Einheiten aus Thüringen, Berlin und Baden-Württemberg nach Ostritz abkommandiert.
An allen drei Tagen wurden mehr als 70 Straftaten festgestellt. Die meisten Taten fallen unter die Rubrik "Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole". Sie seien von Teilnehmern des "Schild- und Schwertfestivals" begangen worden, so die Polizei. Beschlagnahmt wurden 19 T-Shirts und zwei Banner mit der Aufschrift „Arische Bruderschaft“. Gegen die Träger wird ermittelt.Die Polizei setzte konsequent das Alkoholverbot auf den beiden Versammlungsgeländen durch. Teilnehmer des Neonazi-Festivals holten sich in einem Einkaufsmarkt Bier und tranken es außerhalb des Festival-Areals. Polizisten sorgten dafür, dass Anhänger der rechten und linken Szene nicht aufeinander stießen. Fünf Körperverletzungen wurden angezeigt - sieben Verstöße gegen das Versammlungs- und fünf gegen das Waffengesetz.
Bis zu 800 Leute campierten auf der Lederwerkswiese. Die Versammlung war unter dem Motto "Rechts rockt nicht" angemeldet worden. Die Teilnehmerzahl auf dem Neonazi-Festival gab die Polizei mit bis zu 1.200 an.
Die Polizei lobte das "hohe Maß an Gelassenheit" der Einwohner von Ostritz. Und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer lobte die Polizisten. Er dankte ihnen für den Einsatz.
Die Initiatoren des Friedensfestes auf dem Ostritzer Markt zogen ein positives Fazit. „Wir haben gezeigt, dass in unserer Stadt kein Platz für Nazis ist“, sagte uns Michael Schlitt vom Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal. Über 3.000 Menschen kamen zum Friedensfest. Sie feierten ausgelassen und fröhlich. Bands, Solisten, Straßenkünstler und Chöre traten auf.
Landtagsabgeordnete von CDU, SPD, Grünen und Linken stellten einen bislang nicht erreichten Konsens im Kampf gegen Rechts fest. „Man steht zusammen“, erklärte Franziska Schubert und äußerte die Hoffnung, dass Ostritz' Beispiel Schule machen werde. Das „Friedensfest ist ein politisches Fest, aber kein parteipolitisches“. Es gehe darum, Nazis und ihrem Gedankengut „keinen Meter“ Raum zu geben.
Unterdessen wurden Teilnehmer der Neonazi-Festivals durch Auflagen und Kontrollen ausgebremst. Zunächst weitete die Versammlungsbehörde das strikte Alkoholverbot auf das ganze Gelände des Festivals aus. Daraufhin deckten sich viele Teilnehmer in einem Supermarkt mit Bier ein und konsumierten Alkohol vor Betreten des Festivalgeländes. Rund 100 Teilnehmer von zwei Fahrradkorsos trafen am Samstag in der Stadt ein. Sie waren unter dem Motto „Radeln gegen rechts – für Demokratie und Vielfalt“ in Görlitz und in Zittau gestartet. „Der Kampf gegen Rechts muss aus der Mitte der Gesellschaft heraus geführt werden“, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. In Ostritz sei es den Leuten nicht egal, welchen Ruf ihre Ortschaft habe. „Ich verurteile diese Demonstration der Rechtsextremisten auf das Schärfste.“ Die Region wolle diese Leute hier nicht haben. Es sei gut, wenn Protest nicht verordnet werde, sondern von den Menschen selbst komme. Kretschmer hatte die Schirmherrschaft über das Friedensfest übernommen.Rund 150 Journalisten verfolgten das Geschehen in Ostritz. Es sind Kamerateams aus dem In- und Ausland angereist, so z.B. aus Polen, Tschechien, Norwegen, Frankreich und den USA.