• Foto: Uwe Meinhold / Archiv

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Galeria Kaufhof in Chemnitz wird geschlossen

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Der Karstadt-Kaufhof-Konzern schließt sein Warenhaus in Chemnitz. Es ist einer von 62 Standorten, die nicht weitergeführt werden, teilte die Gewerkschaft verdi am Freitag mit. Nach Angaben der Gewerkschaft verlieren damit 140 Mitarbeiter ihren Job.

Das gläserne Kaufhaus war 2001 eröffnet worden. Entworfen hat es der Star-Architekt Helmut Jahn. Es galt damals als das modernste Warenhaus Europas. Jetzt sind seine Tage gezählt. Bis Ende Oktober soll das Haus noch betrieben werden, danach werden die betroffenen Beschäftigten für mindesten sechs Monate in eine Transfergesellschaft überführt.

„Es ist nicht hinnehmbar, wie hier mit den Schicksalen von Mitarbeiterinnen umgegangen wird. Welche Kriterien die Konzernspitze bei der Auswahl der zu schließenden Häuser angelegt hat, können wir nicht nachvollziehen. Beide Häuser hatten in der Vergangenheit Umsatzzuwächse zu verzeichnen“, sagt der ver.di Landesbezirksleiter Oliver Greie.

Auch Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig äußerte sich am Freitag zu der geplanten Schließung: 

„Die Schließung des Kaufhofs ist ein herber Schlag. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für die Stadt. Das Haus mit seiner besonderen Architektur – und für Kaufhof gebaut – war auch Symbol für eine neue, interessante Innenstadt. Die Kaufhof-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben in den vergangenen Jahren einen großen persönlichen Beitrag geleistet, um den Standort trotz wirtschaftlicher Probleme des Konzerns zu erhalten. Mit der heute bekannt gegebenen Entscheidung scheint das alles vergeblich gewesen zu sein. Ich werde mich, durch den Deutschen Städtetag organisiert, mit meinen Oberbürgermeisterkollegen der anderen betroffenen rund 60 Städte beraten, wie wir mit dieser Entscheidung umgehen. Außerdem werde ich die Gewerbetreibenden der Innenstadt zu einem Strategiegespräch einladen. Es ist uns in den vergangenen Jahren gemeinsam gelungen, durch viele kleine und große Maßnahmen, wie zum Beispiel die Kneipenmeile und Feste, die Innenstadt lebendiger zu machen. Das war und ist ein ständiger Kraftakt mit Rückschlägen. Durch die Schließung des Kaufhofs ist die Herausforderung noch größer geworden. Aber auch diese werden wir meistern.“

Bis Ende Oktober soll das Haus noch betrieben werden, danach werden die von Schließungen betroffenen Beschäftigten für mindesten sechs Monate in eine Transfergesellschaft zur Beschäftigung und Qualifizierung überführt. Durch die Schließung und weitere Sparmaßnahmen dürften Tausende Stellen bei dem Konzern wegfallen. Die Zahl der Filialschließungen fällt allerdings etwas geringer aus als zunächst befürchtet. Ursprünglich hatte die Geschäftsführung sogar signalisiert, dass im Zuge der Sanierung des ums Überleben kämpfenden Unternehmens bis zu 80 Filialen geschlossen werden könnten. Doch konnte durch Zugeständnisse von Vermietern und Beschäftigten offenbar noch Schlimmeres verhindert werden.

Der Handelsriese war durch die pandemiebedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Galeria Karstadt Kaufhof rechnet durch die Pandemie und den durch sie ausgelösten Konjunkturabschwung bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Milliarden Euro. Auch in vielen Kommunen dürfte die Bekanntgabe der Schließungsfilialen mit großer Unruhe erwartet werden.

Die Gewerkschaft Verdi warnte damals, eine Schließungswelle bei Galeria Karstadt Kaufhof werde Auswirkungen weit über das Unternehmen hinaus haben. Mittelfristig seien dadurch auch Zehntausende von Arbeitsplätzen bei anderen Einzelhändlern und die Attraktivität ganzer Innenstädte bedroht. (mit dpa)