• Im Rosenhof hat die Gruppe einen Laden angemietet. Foto: Redaktion

Internetportal stellt Demo-Teilnehmer an den Pranger

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Chemnitz -

Im Internet und in der Chemnitzer Innenstadt hat am Montag die Aktion einer Berliner Künstlergruppe für Aufruhr gesorgt. Sie stellte auf der Seite soko-chemnitz Demonstrations-Teilnehmer aus Chemnitz an den Pranger. Dazu wurden auch Fotos veröffentlicht. Die linken Aktivisten riefen dazu auf, Kollegen, Nachbarn und Bekannte, die auf den vergangenen Demos waren, zu identifizieren und hatten sogar Kopfgelder ausgelobt.

Auf dem Rosenhof hatten die Aktivisten ein Ladengeschäft angemietet. In den Schaufenstern hingen bis Montagnachmittag einige der Bilder, auf denen Demo-Teilnehmer zu sehen sind. Da der Laden direkt am Weihnachtsmarkt liegt, zogen die Fotos viele neugierige Blicke auf sich. Die Polizei sperrte den Bereich vor dem Laden ab. Weil der Mieter nicht vor Ort war, wurde die Tür schließlich gewaltsam geöffnet, die Plakate wurden entfernt.  

Die GGG als Vermieter reagierte am Nachmittag und kündigte umgehend das Mietverhältnis. "Die Gewerbeeinheit im Rosenhof 23 wurde durch einen Verein als Popup-Store für die Dauer weniger Wochen angemietet" sagte uns ein Sprecher. "Durch die Aushängung von selbst kreierten "Fahndungsplakaten", was für uns als Vermieter im Vorfeld nicht erkennbar war, sehen wir den vertraglich vereinbarten Nutzungszweck verletzt und beenden die Überlassung der Gewerbefläche umgehend".

Die Wählervereinigung "Pro Chemnitz" hatte bereits am Vormittag rechtliche Schritte gegen die Aktion angekündigt. "Wir sind gerade dabei, alle rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen und werden dann die weiteren Schritte hier mitteilen" hieß es auf der Facebook-Seite von "Pro Chemnitz".

Weil auf der Seite auch das Logo der Kampagne "So geht sächsisch" verwendet wurde, hat auch die sächsische Staatsregierung reagiert. Es wird eine Abmahnung geben, sagte ein Sprecher. Das Logo sollte entfernt werden. "Das ist kein Teil der Kampagne und wird auch nicht darüber gefördert."

Ende August war in Chemnitz ein 35-Jähriger nach einer Messerattacke ums Leben gekommen. Die Tat wurde mutmaßlich von Asylbewerbern begangen. Danach gab es in der Stadt mehrere Demonstrationen, bei denen es auch zu Ausschreitungen kam. Hinter der Aktion "Soko Chemnitz" steckt das "Zentrum für politische Schönheit". Es ist schon öfter durch extreme Protestaktionen aufgefallen. So haben die Aktivisten zum Beispiel vor einem Jahr vor dem Grundstück von Björn Höcke, dem Landeschef der AfD in Thüringen, mehrere Betonstelen errichtet, die an das Berliner Holocaust-Mahnmal erinnern sollten.