Keine Ermittlungen gegen Flüchtlinge in Clausnitz
Nach den fremdenfeindlichen Krawallen in Clausnitz werden keine Ermittlungen gegen Flüchtlinge geführt. Das sagte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) am Freitag in Dresden nach einer Sondersitzung des Landtagsinnenausschusses. Ermittelt werde gegen vier mutmaßliche Teilnehmer der Blockade, mit der ein grölender Mob am Donnerstag vergangener Woche die Ankunft der Flüchtlinge in dem Erzgebirgsort verhindern wollte. Für die Eskalation seien nicht die Menschen im Bus oder die Polizei zur Verantwortung zu ziehen, sondern die Leute auf der Straße, sagte Ulbig. Dies sei bei der Sitzung klar geworden. Den Polizeieinsatz nannte er verhältnismäßig. Es lägen aber zwei Anzeigen gegen Polizeibeamte vor, auch gegen den Chemnitzer Polizeipräsidenten Uwe Reißmann, sagte Ulbig. Dieser hatte nach den Vorfällen gesagt, dass die Flüchtlinge die fremdenfeindlichen Demonstranten provoziert hätten und Ermittlungen gegen sie zu erwarten seien. Bei dem Einsatz war ein junger Flüchtling unter dem Gejohle von etwa 100 Demonstranten gewaltsam aus dem Bus gezerrt und in die Unterkunft gebracht worden. Am kommenden Donnerstag soll Clausnitz erneut Thema im Innenausschuss sein. Die sächsischen Kommunen wollen sich nach den fremdenfeindlichen Krawallen künftig besser mit der Polizei abstimmen. Das sagte Innenstaatssekretär Michael Wilhelm (CDU) am Freitag nach einer Sitzung des Lenkungsausschusses Asyl in Dresden. Bei dem Treffen mit den Kommunalvertretern, an dem auch Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) teilnahm, sei vereinbart worden, dass die Polizeidirektionen rechtzeitig über neu ankommende Asylbewerber informiert werden müssten. Damit solle der Polizei Gelegenheit zu einer „Raumbeobachtung“ im Vorfeld der Ankunft gegeben werden. (dpa)