Lob und Kritik: Politiker würdigen Kurt Biedenkopf zum 90. Geburtstag

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Autor: DPA

Politiker verschiedener Parteien haben den ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU) zu seinem 90. Geburtstag an diesem Dienstag gewürdigt. CDU- Regierungschef Michael Kretschmer bezeichnete den Jubilar als «großen Glücksfall für den Freistaat»: «Nur jemand, der so viele Erfahrungen und auch so viele Verbindungen hat wie er, konnte uns so helfen. Es kommt immer auf den Start an. Sachsen hatte einen sehr guten Start in den 1990er Jahren. Das merken wir noch heute», sagte Kretschmer der Deutschen Presse-Agentur in Dresden.

«Kurt Biedenkopf ist ein prägender, wenn nicht der prägendste Kopf im Nachwende-Sachsen gewesen», sagte Linke-Fraktionschef Rico Gebhardt. Biedenkopf habe «im Guten wie im Schlechten vorgezeichnet, was die langjährige Quasi-Staatspartei CDU bis heute treibt – inklusive einer stabilen Machtarroganz gegenüber Kritik und anderen Ideen, einer für die einheimische Wirtschaft nachteiligen Leuchtturmpolitik und eines Sparsamkeits-Fetischs, der unseren Kindern und Enkeln teuer zu stehen kommen wird». Gleichwohl seien seine Verdienste für Sachsens Übergang in die Bundesrepublik unbestritten, auch wenn sein Einsatz für ein sächsisches Selbstbewusstsein vor allem in Richtung Selbstgerechtigkeit und Beratungsresistenz abglitten sei.

Biedenkopf habe einen Beitrag zum Wiederaufbau Sachsens geleistet, der Wertschätzung verdiene, betonte Franziska Schubert, Vize-Chefin der Grünen im Landtag. Er habe als erster Ministerpräsident nach der Wiedergründung des Freistaats Sachsen in einer schwierigen Zeit Verantwortung übernommen: «Nicht jede seiner Entscheidungen wäre heutzutage noch zeitgemäß. Sein regentischer Politikstil und auch die Fehleinschätzung bezüglich des Rechtsextremismus' gehören zu den Dingen, die bis in die sächsische Gegenwart wirken. Dazu gehören auch die teuren Fehleinschätzungen als Aufsichtsratsvorsitzender der Porzellan-Manufaktur Meissen.» Bis ins hohe Alter zeige er einen wachen Geist und sei für unkonventionelle Projekte zu begeistern.

Sachsen habe Biedenkopf sehr viel zu verdanken, erklärte CDU- Fraktionschef Christian Hartmann. «Kurt Biedenkopf hat die Sachsen schnell ins Herz geschlossen und war für den Freistaat ein Glücksgriff. Mit ihm ist der Aufbau und die positive Entwicklung Sachsens verbunden.» Er habe unter anderem durch die Ansiedlung großer Unternehmen die Grundlagen für wirtschaftlichen Erfolg gelegt und den Sachsen ein neues Selbstbewusstsein gegeben.

Die CDU-nahe Konrad Adenauer Stiftung ehrt Biedenkopf am Dienstag mit einer Festveranstaltung in der Dresdner Frauenkirche. Dort spricht auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).