Schleuserprozess in Görlitz - Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten Mord vor

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Ein toter Iraker und zwei Schleuser – der Fall wird seit heute am Landgericht Görlitz verhandelt. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten – zwei Türken, 42 und 48 Jahre alt – Mord  vor. Sie sollen 22 Iraker eingeschleust haben, die über die Belaruss-Route kamen. Auf der Fahrt durch Polen starb ein Migrant. 

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten Mord durch Unterlassen vor. Sie hätten gewusst, dass der 32-jährige Iraker gesundheitliche Probleme hatte und nicht mehr gehen konnte. Sie sollen ihn trotzdem auf die Ladefläche eines Kleintransporters gehievt haben. Als die Polizei  bei Görlitz das Fahrzeug stoppte, war der Mann tot. Für die Schleusung sollten die Angeklagten 10.000 Euro bekommen.

Zu Prozessbeginn wurden mehrere Handy-Videos gezeigt. Darauf ist der später verstorbene Iraker zu sehen. Landsleute ermuntern ihn aufzustehen und weiter mitzukommen. Sie haben die Grenze von Weißrussland nach Polen überquert, sind durch ein Sumpfgebiet geirrt. Der 32-Jährige liegt in einem Schlafsack auf einem Waldboden, er spricht mit schmerzverzerrter Stimme nach, was ihm einer der Geschleusten vorgesprochen hat: "Mama, ich schwöre bei Gott, mir geht es gut". Tatsächlich geht es ihm schlecht. Er kann sich nicht bewegen. Er bittet die Gruppe, ihn in eine Decke einzuwickeln und ihn im "Dschungel" zurückzulassen.

Eine weitere Aufnahme wurde während der Fahrt von der polnisch-weißrussischen Grenze nach Deutschland gemacht. Der Verletzte liegt auf der Ladefläche. Er ist vollständig in einen Schlafsack eingehüllt. Einer der Männer hebt das Kopfteil an. Der Iraker scheint zu schlafen oder er ist schon tot.

 Die Angeklagten wollten sich  zu den Vorwürfen zunächst nicht äußern. Heute sollen die ersten Zeugen vernommen werden.  Zu Beginn der Verhandlung wies der Vorsitzende Richter Theo Dahm darauf hin, dass es sich in dem Fall auch um gemeinschaftliches Einschleusen mit Todesfolge handeln könnte.

Sechs Verhandlungstage sind geplant.