Sachsen weiter Corona-Hotspot

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Sachsen steht in der Corona-Pandemie mit dem Rücken an der Wand. Am Freitag gab das Robert Koch-Institut (RKI) die Sieben-Tage-Inzidenz für den Freistaat mit 1192,8 an. Damit ist Sachsen weiter das am stärksten betroffene Bundesland. Bundesweit lag die Wocheninzidenz bei 438,2. In Sachsen kamen binnen eines Tages mehr als 12.000 neue Covid-19-Fälle hinzu. Im Erzgebirgskreis wurde mit einer Inzidenz von 2006,2 ein geradezu unfassbarer Wert erreicht. Damit wurde dort innerhalb von sieben Tagen für jeden 50. Bürger ein positiver Nachweis gemeldet.

Inzwischen begann die Patienten-Verlegung aus Sachsen in andere Bundesländer. Es habe kurzfristig eine Verlegung aus dem Herzzentrum Dresden ins westfälische Herford gegeben, teilte das Gesundheitsministerium mit. Weitere Transporte seien in den kommenden Tagen etwa nach Mecklenburg-Vorpommern geplant. Es gebe Anmeldungen für Patienten-Verlegungen aus den Kliniken Adorf, dem Herzzentrum Dresden, dem Klinikum Dresden-Neustadt und dem Uniklinikum Dresden. Sie sollen nach Bielefeld, Göttingen und Rostock, Greifswald und Schwerin gebracht werden.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) forderte eine Bund- Länder-Konferenz noch vor dem für den 9. Dezember geplanten Termin. „Zögern wird bestraft“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die neue Südafrika-Variante des Virus verschärfe noch die Lage: „Wir brauchen nun umso dringlicher bundeseinheitliche Regelungen im Kampf gegen dieses aggressive Virus.“ Derzeit mögliche Maßnahmen reichten nicht aus. Kretschmer hatte schon zuvor einen Lockdown vor Weihnachten nicht ausgeschlossen.

Kretschmers Stellvertreter Wolfram Günther (Grüne) sah am Freitag Anzeichen dafür, dass inzwischen viele Menschen den Ernst der Lage in der Corona-Pandemie erkannt haben. „Sie reduzieren ihre Kontakte und nutzen das Homeoffice, wo sie es können. Straßen und Züge sind leerer in den letzten Tagen“, sagte Günther der Deutschen Presse-Agentur. „Es gilt, was wir seit Beginn der Pandemie sagen: Staatliche Maßnahmen sind der Rahmen für die Bekämpfung der Pandemie. Schaffen werden wir das aber nur gemeinsam.“

Die Lage in Krankenhäusern der Region Chemnitz spitzte sich kurz vor dem Wochenende zu. Als „katastrophal“ bezeichnete der ärztliche Direktor des Klinikums Chemnitz, Ralf Steinmeier, die Situation. „Die Belegung mit Covid-19-Patienten stößt an die Grenzen des am Klinikum Machbaren.“ Größter Engpass seien die Intensivstationen. Noch könne man Erkrankten aber eine maximal mögliche Behandlung zusichern. Das OP-Programm sei auf absolute Notfälle reduziert worden.

Unterdessen sind alle Bemühungen darauf gerichtet, das Impftempo in Sachsen zu erhöhen. Denn das Bundesland mit der höchsten Inzidenz ist zugleich das Land mit der niedrigsten Impfquote. Nach Angaben des RKI waren hier nur 58,0 Prozent der Menschen geimpft. Bremen lag als bestes Bundesland bei 80,0. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz wollen die Kirchen in Sachsen am Ersten Advent mobile Impfteams unterstützen. Den Piks gibt es beispielsweise in der Unterkirche der Frauenkirche Dresden und der Leipziger Nikolaikirche. Die Bischöfe der katholischen und der evangelischen Kirche warben für das Impfen.

Angesichts der dramatisch steigenden Zahlen forderte die Linke im Landtag, die Testpflicht auf Kinder in Kitas auszudehnen. Die Landesregierung setze die Gesundheit der Mädchen und Jungen sowie der Erzieherinnen und Erzieher aufs Spiel, hieß es. Sie verunsichere Eltern, ob ihre Kinder noch gut in der Kita aufgehoben seien.

Wegen der Infektionslage müssen auch immer mehr Schulen in Sachsen schließen. Aktuell sind 214 Schulen teilweise und 121 Schulen vollständig geschlossen, teilte das Kultusministerium am Freitag mit. Das entspricht einem Anteil von knapp 24 Prozent. Am Montag waren noch elf Prozent der öffentlichen Schulen betroffen.

Die Bundeswehr bezifferte die Zahl ihrer Soldatinnen und Soldaten beim Corona-Einsatz in Sachsen am Freitag auf mehr als 350. „Durch die sehr dynamische Lage kann die Zahl weiterer Unterstützungskräfte jedoch schnell ansteigen“, hieß es. Sie seien etwa in Gesundheitsämtern bei der Kontaktnachverfolgung und als „helfende Hände“ in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen im Einsatz. (dpa)