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Sachsenforst befreit eingeschneite Touristen

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Seit letzten Donnerstag war die einzige Straße zum Bahnhof Niederschlag gesperrt. Durch den vielen nassen und angefrorenen Schnee sind Bäume entlang der etwa zwei Kilometer langen Zufahrt umgeknickt. Steffi Rhein, ihr Partner Maik Autrum, ihre Tochter Vicky Rhein und deren Lebensgefährte Alexander Girke, allesamt aus Leipzig, saßen seitdem dort fest. Die Vier verbrachten bereits zum 30. Mal ihren Urlaub in dem historischen Haus, welches 1969 von zehn Mitgliedern des Allgemeinen Turnvereins Leipzig gepachtet wurde. „Wir kommen etwa drei Mal pro Jahr hierher, darunter auch immer im Winter zum Skifahren“, erzählt Steffi Rhein. Bereits am 5. Januar reisten die Leipziger an. Vergangenen Mittwoch wollten sie am Abend einkaufen gehen. Als sie die Autos abkehrten und vom Schnee befreiten, fiel direkt neben ihnen der erste Baum auf die Zufahrtsstraße. „Die Geräusche von den knackenden Bäumen waren schon ein wenig beängstigend“, sagt Steffi Rhein. Um ihre Vorräte wieder aufzufüllen, mussten sie einen Tag später nach Niederschlag laufen, wo sie von einem Anwohner zum Einkaufen mitgenommen wurden. Strom stand ihnen während der gesamten Zeit zur Verfügung, geheizt wurde mit einem Ofen.

Am Donnerstagabend rief Carsten Lohr, Revierleiter des Forstreviers Cranzahl, bei der Familie an und teilte ihnen mit, dass sie voraussichtlich am Samstag evakuiert würden. „Die Feuerwehr hatte schon im Vorfeld angeboten, uns zu befreien, allerdings hätten wir dann das Haus sofort verlassen müssen, wodurch die Leitungen zugefroren wären“, berichtet sie.

Am Samstag war es endlich soweit: Sachsenforst beräumte mit einem Harvester die Straße von den umgefallenen Bäumen. Die Befreiung der Touristen konnte erst nach drei Tagen erfolgen, da vorher kein geeignetes Gerät zur Verfügung stand. „Die Arbeiten dauerten rund vier Stunden, auf der Straße lagen etwa 20 Bäume quer“, erzählt Carsten Lohr. Bei gleichbleibender Wetterlage rechnet er damit, dass in seinem 1600 Hektar großen Revier mehrere tausend Kubikmeter Holz umstürzen werden. Nachdem die Straße beräumt war, musste die Familie sofort abreisen. Der Grund: Wegen extrem hoher Baumeinsturzgefahr musste die Zufahrt direkt wieder gesperrt werden. Eigentlich hatten die Vier vor, noch bis 20. Januar ihren Urlaub in Niederschlag zu verbringen.

Es war das erste Mal, dass Touristen im Bahnhof Niederschlag eingeschlossen waren. „Wir haben uns natürlich sehr geärgert, da wir seit Mittwoch nicht mehr Skifahren konnten und vorzeitig abreisen mussten“, sagt Vicky Rhein und fährt fort: „In den drei Tagen haben wir so viel Schnee geschippt, wie noch nie. Wir mussten schließlich zum Heizen an den Kohlenkeller kommen, das Dach von den Schneemassen befreien und uns auch irgendwie beschäftigen.“ Weil auch kein Fernseher in dem Gebäude vorhanden ist, haben sie in der Zeit sehr viel Karten gespielt. „Es war das erste Mal in unserem Leben, dass wir eingesperrt waren. Dieses Erlebnis werden wir nie mehr vergessen und sicherlich auch noch unseren Kindern und Enkelkindern erzählen.“