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Sächsische Museen vor Wiedereröffnung

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Nach siebenwöchiger Corona-Zwangspause ist die Durststrecke auch für die Museen in Sachsen vorbei. Sie dürfen ab dem 4. Mai unter Auflagen wieder öffnen, wie Ausstellungen, Bibliotheken, Zoos und botanische Gärten, und auch Kosmetik- und Friseursalons. Die Vorbereitungen für den „Tag X“ laufen längst. Nach Angaben des Sächsischen Museumsbundes wurden in allen Häusern Hygienekonzepte entwickelt, die eine Öffnung unter den derzeit geltenden Vorschriften möglich machen.

„Wir können das gewährleisten“, sagte Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), schon vor zwei Wochen. Es werde einen „gesteigerten Kunstgenuss“ geben, weil die Museen leerer sein werden und der Besucher die Kunst viel mehr genießen könne. „Alle spüren ja die Grenzen der digitalen Kunst, eine ungeheure Sehnsucht nach dem Original und anderen Menschen, die sich Kunst anschauen.“

Auch die Kunstsammlungen Chemnitz haben einen Maßnahmenplan entwickelt. „Kernpunkte sind, wie in anderen Bereichen, Kontaktreduzierung, Zugangssteuerung, Infektionsschutz, Beschränkung der Personenanzahl, Abstandsregeln und anderes“, sagte Generaldirektor Frédéric Bußmann. „Die Museen, vor allem Kunstmuseen, sind aber à priori gut auf eine solche Aufgabe vorbereitet, da wir gut die Besucherströme steuern und klare Regeln für eine möglichst infektionsfreien Besuch organisieren können.“

Die Kunstsammlungen öffnen am 4. Mai ihr Haupthaus, nach und nach folgen dann Museum Gunzenhauser, Schloßbergmuseum und Henry van de Velde Museum. „Wir setzen im Augenblick vornehmlich auf das regionale und lokale Publikum, sprechen das größere Publikum über die digitale Angebote an“, sagte Bußmann. Zwei aktuelle Ausstellungen werden verlängert, andere wie die Jubiläumsschau zum 100. sollen verschoben werden. Laut Bußmann hängt das auch vom Geld ab. „Ich befürchte, dass die wirtschaftliche Krise auch eine Krise der Kulturförderung und des Sponsorings nach sich ziehen wird.“

Leipzigs städtische Museen, darunter das Museum der bildenden Künste, planen die Wiedereröffnung ab 7. Mai. Bis dahin sollen individuelle Hygiene- und Schutzkonzepte vorliegen. „Nichts kann die direkte Auseinandersetzung mit den Objekten und Kunstwerken vor Ort ersetzen“, sagte Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke. Die Universität Leipzig macht am 5. Mai das Ägyptische und das Antikenmuseum wieder auf und am 7. Mai das Musikinstrumentenmuseum. Wegen des Verzichts auf alle interaktiven Angebote können Besucher dort einstweilen kein Clavichord spielen und nicht ins Klanglabor.

Auch die Museen der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen freuen sich auf die Rückkehr der Besucher. Vom Zwinger in Dresden über Schloss Moritzburg bis Burg Kriebstein gelten dabei: Mund-Nasen-Bedeckung sind Pflicht, der Mindestabstand beträgt 1,50 Meter und bezahlt wird möglichst kontaktlos. Und auch die Festung Königstein in der Sächsischen Schweiz kann wieder „erobert“ werden - einige Ausstellungen aber bleiben vorerst noch geschlossen und Touch-Screens sind außer Betrieb.

Der Museumsbund sieht je nach Art ihrer Finanzierung mehr oder weniger starke Einnahmeausfälle an den Häusern. „Viel problematischer ist aus unserer Sicht die Entwicklung in den nächsten Monaten“, sagte Vorsitzender Joachim Breuninger. Vor allem für Häuser mit hohem Touristenanteil aus dem In- und Ausland werde eine weitere Verschlechterung erwartet. „Der internationale Tourismus dürfte dieses Jahr komplett ausfallen.“ Über das Jahr seien Einnahmeausfälle von insgesamt 50 Prozent und mehr zu befürchten.

Gerade die letzten Wochen haben laut Breuninger gezeigt, dass Online-Angebote keine wirkliche Alternative und nur ein Zusatz sein können. Auch seien die meisten Häuser chronisch unterpersonalisiert und -finanziert und gar nicht adäquat im Netz aktiv. „Es ein vollkommen anderes Erlebnis, die “Sixtinische Madonna„ oder den “Gläsernen Mensch„ real vor sich zu sehen in einem großzügigen Ausstellungsraum, gemeinsam mit anderen Menschen.“