++ EIL ++

Tausende Chemnitzer protestieren gegen Neonazi-Aufmarsch

Zuletzt aktualisiert:

In Chemnitz hat sich am 1. Mai ein breites Bündnis aus Vereinen, Initiativen und Gewerkschaften einem Aufmarsch der Neonazi-Partei „Der III. Weg“ entgegengestellt. Insgesamt rund 4.000 Menschen nahmen an den verschiedenen Aktionen und Demos teil und setzten ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus. Der Protest war laut und bunt, und er hat die Neonazis auf ihrem gesamten Weg durch Chemnitz begleitet. Angefangen auf der Bahnhofstraße, wo DJ‘s und Bands spielten, darunter auch die Chemnitzer Jungs von „Kraftklub“."Wenn man die Möglichkeit schon hat und so ein Mikrofon in der Hand hält, dann sollte man sich aussprechen gegen Rassismus, Faschismus und Homophobie", sagte Sänger Felix Brummer. Zum Abschluss ihres rund halbstündigen Auftritts spielte die Chemnitzer Band eine Coverversion des Lieds "Schrei nach Liebe" der Band Die Ärzte, das sich gegen Neonazis richtet. Zuvor hatte der DGB zu einer Maikundgebung auf dem Neumarkt aufgerufen, dort sprach auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Er rief alle Bürger dazu auf, sich gegen Rechtsextremismus einzusetzen. "Rechtsextremismus bekämpft man nicht mit Linksextremismus. Es muss aus der Mitte der Gesellschaft kommen", sagte der CDU-Politiker. Die anschließende Demo des DGB führte zur Bahnhofstraße, wo sich der Zug mit anderen Gegendemonstranten vereinigte. Mehrere Tausende Menschen waren auf den Beinen, um zu zeigen, dass die Rechtsextremen hier in der Stadt nicht willkommen sind. Auf dem Sonnenberg marschierte der „III. Weg“ größtenteils durch menschenleere Straßen, während die Rechten im Lutherviertel von ohrenbetäubenden Pfeifkonzerten empfangen wurden. Auch auf der Bernhardstraße und am Schauspielhaus schallte den Neonazis lautstarker Protest entgegen. Dort war eine Spontandemo direkt auf dem Gehweg genehmigt worden, an der die Neonazis vorbei mussten. An der Zietenstraße Ecke Ludwig Kirsch-Straße versuchten Gegendemonstranten die Aufzugsstrecke zu blockieren, die Polizei riegelte den Straßenzug ab und hielt die Demonstranten vorübergehend fest. Einsatzkräfte mussten hier Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzten, um die Situation unter Kontrolle zu bringen.Nach mehr als drei Stunden endete der Aufmarsch vom "III. Weg" wieder an der Bahnhofstraße. Nach einer ersten Bilanz der Polizei verlief der Tag weitgehend störungsfrei. Man habe allen Teilnehmern das gewähren können, was ihnen das Versammlungsrecht einräume. Störungen seien frühzeitig unterbunden worden. "Wir haben unser Einsatzziel erreicht", sagte eine Polizeisprecherin. Auch die Versammlungsbehörde zog ein positives Fazit.Die Polizei hatte sich mit einem massiven Aufgebot auf mögliche Zusammenstöße von Rechten und Gegendemonstranten eingestellt. Über dem Sonnenberg, durch den zwei Routen führten, schwebte ein Hubschrauber. Wasserwerfer und gepanzerte Fahrzeuge standen bereit. Ein Großaufgebot von Beamten aus Sachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen begleitete die Aufzüge.Es wurden 46 Anzeigen und neun Ordnungswidrigkeiten, u.a. wegen Sachbeschädigung, Verstößen gegen das Versammlungsgesetz, Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Körperverletzung sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte aufgenommen. Es wurden 193 Identitätsfeststellungen durchgeführt und 173 Platzverweise ausgesprochen. Vierzehn Personen wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen.