++ EIL ++

Umweltamt plädiert für beispielhaften Bergbau im Erzgebirge

Zuletzt aktualisiert:

Im Erzgebirge sollten nach dem Willen des Umweltbundesamts Metalle abgebaut werden, um ein Beispiel für hohe Umwelt- und Sozialstandards im Bergbau zu geben. "Wir müssen den inländischen Bergbau von weltweit gehandelten Metallerzen, die wir heute direkt und auch indirekt importieren, stärken", sagte die Präsidentin der Behörde, Maria Krautzberger, am Dienstag in Berlin. Das könnten Zinn, Zink oder Indium aus dem Erzgebirge sein. Damit hätte Deutschland die Möglichkeit, "mit gutem Beispiel voranzugehen und zu zeigen, wie Forderungen nach höheren Umwelt- und Sozialstandards im Bergbau auch glaubhaft umgesetzt werden können."

Krautzberger stellte klar, dass Deutschland seinen Bedarf an den genannten Metallen nicht selbst decken könne - es gehe um Modellprojekte. Die Bundesrepublik gehöre weltweit zu den wichtigsten Importeuren von Metallen aus dem Bergbau und habe deswegen eine Mitverantwortung für dessen sozialen und ökologischen Folgen, sagte sie. Die direkten Importe Deutschlands beliefen sich auf etwa 128 Millionen Tonnen Metallrohstoffe pro Jahr, Stand 2015. Dazu kommen über bereits gefertigte Produkte weitere 595 Millionen Tonnen Importe.

Bergbau hat im sächsischen Erzgebirge eine lange Geschichte, einst brachte er Wohlstand in die Gegend. Nach wie vor gibt es Lagerstätten von Erzen und Mineralen.

Behördenchefin Krautzberger sieht zuallererst die EU am Zug, bei Rohstoffen etwa für Autos und Katalysatoren, Batterien und Handys nicht nur über Versorgungssicherheit zu sprechen, sondern international verbindliche Umweltstandards auf dem Weltmarkt einzufordern. Zudem müssten in die Kosten der Rohstoffgewinnung auch die Umweltfolgen einfließen, was umweltschädlich abgebaute Stoffe verteuern und umweltschonende Methoden konkurrenzfähiger machen würde.

Es geht etwa um Neodym für Windräder, Gold für Mobiltelefone, Kobalt für Elektroautos und Platin für Katalysatoren sowie viele andere Metalle wie Blei, Kupfer und Zinn. Fortschritte beim Recycling werden nach Einschätzung des Umweltbundesamts nicht ausreichen, um den steigenden Bedarf zu decken. Beispiel Lithium für Energiespeicher: Die Behörde geht davon aus, dass der globale Bedarf bis 2050 auf das Zwölffache der weltweiten Jahresproduktion von 2013 ansteigen könnte. Insgesamt dürfte sich die Nachfrage nach Metallen einer OECD-Prognose zufolge bis 2060 fast verdreifachen, ausgehend vom Jahr 2011.

Die Bergwerke belasten Wasser, Boden und Luft auf unterschiedliche Weise. Krautzberger zitierte das Pure Earth Institute, demzufolge der industrielle Bergbau nach dem Recycling von Bleibatterien die umweltschädlichste Industrie weltweit sei. Erst im Januar waren bei einem Dammbruch an einer Eisenerzmine in Brasilien mindestens 169 Menschen gestorben, viele werden noch vermisst. (dpa)