Videoüberwachung in Chemnitz offiziell gestartet
Die Chemnitzer Innenstadt wird ab sofort videoüberwacht. Nach einem kurzen Probelauf sind die Kameras seit Montag im Regelbetreib. Die als Kriminalitätsschwerpunkte bekannten Bereiche des Zentrums werden jetzt mit zunächst 25 hochauflösenden Kameras beobachtet. Kameras stehen unter anderem am Eingangsbereich der Stadthalle, im Stadthallenpark, an der Zentralhaltestelle, vorm Tietz und auf der Straße der Nationen zwischen Zentralhaltestelle und Roter Turm. Passanten werden durch Schilder auf die Kameras aufmerksam gemacht. Alle Informationen, Fragen und Antworten gibt es in einem Erklärfilm, den die Stadt produziert hat. Das insgesamt 850.000 Euro teure Projekt soll sowohl der Sicherheit als auch dem Sicherheitsgefühl der Bürger dienen. "Die Innenstadt soll ein lebendiger Ort sein. Da gehört Sicherheit dazu", sagte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig bei der Inbetriebnahme. Seit mehreren Jahren häufen sich in der Chemnitzer Innenstadt Raubüberfälle, Drogendelikte und Auseinandersetzungen. Trauriger Höhepunkt war eine Messerstecherei, bei der im August ein Chemnitzer ums Leben kam. Federführend bei dem gemeinsamen Projekt von Chemnitzer Verkehrs AG, der C³ Chemnitzer Veranstaltungszentren GmbH, der Polizei und der Stadtverwaltung sind die Verkehrsbetriebe. Insgesamt wird eine Fläche von 35.200 Quadratmetern überwacht. Nur die Polizei wird bei Bedarf Zugriff auf alle Bilder haben. Aufgrund der hohen Qualität der Bilder sind diese gerichtsverwertbar. Zunächst sind 25 von 29 Kameras im öffentlichen Bereich in Betrieb genommen worden, vier weitere im Bereich der Galerie Roter Turm sollen folgen. Zudem wurden zwei Kameras im Mobilitätszentrum der Verkehrsbetriebe installiert. Alle Aufnahmen werden nach Angaben der Stadt nach zehn Tagen gelöscht, wenn die Bilder in diesem Zeitraum nicht zur Verfolgung von Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten benötigt werden. Die CVAG hält einen Speicherplatz von 400 Terabyte dafür parat. Nach Angaben von David Joram, Geschäftsbereichsleiter Technischer Service bei den Verkehrsbetrieben, betragen die Unterhaltungskosten des Videosystems insgesamt rund 35.000 Euro pro Jahr. Die Kameras sind mit bis zu acht Objektiven ausgestattet. Bis zu einer Entfernung von 100 Metern ist den Angaben zufolge eine Identifikation von Personen möglich. "Diese hohe Qualität brauchen wir vor Gericht", sagte Polizeioberrat Knut Kunze von der Polizeidirektion Chemnitz. Es werde keine permanente Live-Video-Überwachung geben. Dies sei personell nicht zu leisten. Man werde anlassbezogen live auf die Bilder zugreifen, sagte Kunze. Für Oberbürgermeisterin Ludwig ist die Videoüberwachung ein Baustein dafür, das geschwundene Sicherheitsempfinden im Stadtzentrum wieder herzustellen. So soll der Stadtordnungsdienst mit Beschluss des kommenden Doppelhaushalts von 22 auf 35 Mitarbeiter aufgestockt werden. Darüber hinaus wurde ein Bürgerbeirat Sicherheit ins Leben gerufen. (mit dpa)