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Weihnachtsverbot an Schule in Istanbul - deutsche Lehrer abziehen?

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Der Streit am deutsch-türki­schen Elite-Gymna­sium Istanbul Lisesi über den Umgang mit dem christ­li­chen Weihnachts­fest empört deutsche Politiker. Der Chef der sächsi­schen CDU-Fraktion Frank Kupfer sagte im Inter­view bei unserem Sender: "Ich habe wenig Verständnis dafür, wenn sich das bewahr­heiten sollte. Wir prakti­zieren hier Toleranz. Wenn jetzt dort sogar das Weihnachts­lie­der­singen verboten wird, ist das ein hartes Stück."Deutsche Lehrer abziehen?In letzter Konse­quenz müsse man auch darüber nachdenken, die deutschen Lerher dort abzuziehen, sagte Kupfer unserem Sender: "Man sollte keine Schnell­schüsse machen und das Gespräch suchen. In letzter Konse­quenz könnte ich es mir das vorstellen.""Das Verbot des Weihnachts­fests an der Deutschen Schule in Istanbul durch türki­sche Behörden ist ein Schlag gegen die Lehr- und Religi­ons­frei­heit", sagte die Chefin der CSU-Abgeord­neten im Bundestag, Gerda Hassel­feldt, der "Passauer Neuen Presse". Den Lehrern und Schülern das Fest zu verwei­gern und es sogar noch nicht einmal im Unter­richt behan­deln zu können, sei nicht nachvoll­ziehbar. "Wir merken immer mehr, dass die Türkei in eine Autokratie abrutscht", bilan­zierte sie.CDU-Vize Julia Klöckner sagte dem Blatt, dass Staats­prä­si­dent Recep Tayyip Erdogan kultu­relle Einflüsse der Nachbar­länder quasi per Ansage verbieten wolle, sei "Ausdruck von Unsou­ve­rä­nität, Bevor­mun­dung und Abschot­tung" und das Gegen­teil von Freiheit und Aufklä­rung. "Wer freie Gedanken einebnen will, der ist aus Verblen­dung wohl auch zu weiterem fähig."Grünen-Chef Cem Özdemir erinnerte daran, dass die Türkei schon immer Heimat griechi­scher, aramä­i­scher und armeni­scher Christen gewesen sei - lange bevor die ersten Türken und Muslime anato­li­schen Boden betreten hätten. Offen­sicht­lich habe sich Erdogan in den Kopf gesetzt, „auch die letzten Reste an religiöser und ethni­scher Vielfalt gründ­lich auszu­merzen, wenn er sich selbst von harmlosen Weihnachts­lie­dern in seiner Herrschaft bedroht fühlt“.CDU-Innen­ex­perte Wolfgang Bosbach verlangte eine scharfe Reaktion der Bundes­re­gie­rung. Das Verbot sei ein weiterer Beleg dafür, dass Erdogan das Land auf einen „intole­ranten, konser­vativ-islami­schen Weg“ wolle. Wenn es Bestand habe, sei die Grund­lage für weitere deutsche Zahlungen in Millio­nen­höhe entfallen.In einer E-Mail, die die Leitung der deutschen Abtei­lung der Schule an das Kolle­gium geschickt hatte, hatte es geheißen: "Es gilt nach Mittei­lung durch die türki­sche Schul­lei­tung eben, dass ab sofort nichts mehr über Weihnachts­bräuche und über das christ­liche Fest im Unter­richt mitge­teilt, erarbeitet sowie gesungen wird."Die vom Bildungs­mi­nis­te­rium in Ankara einge­setzte türki­sche Schul­lei­tung demen­tierte aber, dass sie ein solches Weihnachts­verbot ausge­spro­chen habe. Aller­dings hätten die deutschen Lehrer im Unter­richt "vor allem in den letzten Wochen Texte über Weihnachten und das Chris­tentum auf eine Weise behan­delt, die nicht im Lehrplan vorge­sehen ist".Mehrere deutsche Lehrer in Istanbul bestä­tigten "Spiegel Online", es gebe Anwei­sungen, auf Weihnachts­lieder und Advents­feiern zu verzichten. Ebenso habe es die Auffor­de­rung gegeben, Advents­ka­lender aus den Räumen in der Schule zu entfernen. Da es ein Verbot für alle Lehrer gebe, mit der Presse zu sprechen, wollte niemand nament­lich genannt werden, schrieb das Magazin.Streit am Montag­nach­mittag beige­legtWie Spiegel Online am Montag­nach­mittag berich­tete, wurde der Streit inzwi­schen beige­legt. "Nach gemein­samer Sitzung zwischen der türki­schen Schul­lei­tung und der Leitung der Deutschen Abtei­lung kann ich Ihnen mitteilen, dass kein Verbot 'Weihnachten' im Unter­richt zu bespre­chen vorliegt", hieß es am Montag in einer E-Mail der deutschen Abtei­lungs­lei­tung an die deutschen Lehrer, berichtete Spiegel Online.Die derzeit 35 deutschen Lehrer des Istanbul Lisesi werden von der Bundes­re­pu­blik entsandt und aus Steuer­mit­teln bezahlt, was auf eine jährliche Förde­rung in Millio­nen­höhe hinaus­läuft. Das Elite-Gymna­sium wird ausschlie­ß­lich von türki­schen Schülern besucht, ist aber eine anerkannte deutsche Auslands­schule. Der türki­sche Schul­leiter wird direkt vom Bildungs­mi­nis­te­rium in Ankara ernannt und ist dessen höchster Vertreter an der Schule. (as/mit dpa)

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