Zehntausende bei Konzert gegen Rechts in Chemnitz
Rund 65 Tausend Menschen sind am Montagabend zum Konzert gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in die Chemnitzer Innenstadt gekommen. Bands wie die Toten Hosen oder Kraftklub spielten kostenlos auf dem Parkplatz an der Johanniskirche und machten sich gemeinsam gegen rechte Gewalt stark. Zum Konzert-Finale kamen noch Rodrigo Gonzales von den Ärzten und Beatsteaks-Sänger Arnim Teutoburg-Weiß auf die Bühne.Das Konzert war eine Reaktion auf den gewaltsamen Tod eines 35-jährigen Deutschen und die folgende Vereinnahmung der Bluttat durch Rechtspopulisten. Menschen feierten friedlich auf dem KonzertLaut Polizei gab es auf dem Konzert keine Zwischenfälle, es blieb friedlich. Die Beamten in Chemnitz wurden von Kollegen aus sieben Bundesländern und der Bundespolizei unterstützt. Eine genaue Anzahl der eingesetzten Beamten wurden nicht genannt. Geplante Gegenveranstaltungen des ausländer- und islamfeindlichen Bündnisses Thügida und der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz waren von der Stadt untersagt worden, weil die angedachten Veranstaltungsflächen bereits belegt seien. In Chemnitz war es zuvor tagelang zu Demonstrationen von Rechtsgerichteten, Neonazis und Gegnern der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung sowie zu Gegenprotesten gekommen. Anlass war, dass ein Deutscher erstochen worden war, mutmaßlich von zwei Flüchtlingen, die inzwischen in Untersuchungshaft sitzen. Mobilfunknetz und Nahverkehr in Chemnitz überlastetDie Infrastruktur von Chemnitz hat angesichts der Menschenmassen streckenweise schlapp gemacht. Nach Polizeiangaben war das Mobilfunknetz im Bereich der Veranstaltung „#wirsindmehr“ zum Teil überlastet. Der öffentliche Nahverkehr wurde im Stadtzentrum vorübergehend eingestellt. Bei der Abreise mussten die Konzertbesucher geduldig sein. Der Hauptbahnhof war überfüllt. Tausende wollten unter anderem nach Leipzig. Ein Zug fiel wegen einem technische Defekt aus. Der Hauptbahnhof wurde vorübergehen wegen Überfüllung geschlossen. Erst als erste Züge wegfuhren, wurden die Menschen wieder eingelassen.Polizei musste am Gedenkort einschreitenAm Randes des Konzerts musste die Polizei am Gedenkort, für den getöteten Chemnitzer, erhöhte Präsenz zeigen und auch einschreiten. Mehrere hundert Menschen hatten sich dort versammelt. Einige verhielten sich nicht friedlich, teilte die Polizei auf Twitter mit.Statements der Musiker zum KonzertMit dem Konzert wollten die Musiker ein lautes Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit setzen. "Wir geben uns nicht der Illusion hin, dass man ein Konzert macht, und dann ist die Welt gerettet", sagte Kraftklub-Sänger Felix Brummer, der aus Chemnitz stammt, vor Beginn. "Aber manchmal ist es wichtig, zu zeigen, dass man nicht allein ist." Der aus Rostock stammende Rapper Marteria fühlte sich an die fremdenfeindlichen Ausschreitungen von 1992 in Rostock-Lichtenhagen erinnert. Er habe jahrelang damit zu kämpfen gehabt, dass Rostock als "Nazi-Stadt" abgestempelt gewesen sei. "Mir geht es darum, dass die Leute, die aus Sachsen, aus Chemnitz sind, auch sagen können: "Hey, ich bin aus Chemnitz", ohne dass gesagt wird: "Ah, musst Du also ein Nazi sein."" (mit dpa)