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Zu wenig Personal in sächsischen Gefängnissen

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Dresden (dpa/sn) - Seit Jahren häuft sich die Zahl der Mehrar­beits- und Überstunden in den zehn sächsi­schen Gefäng­nissen. Ende 2015 summierten sie sich nach Angaben des Justiz­mi­nis­te­riums auf knapp 69.500 - rund 39 Prozent mehr als 2009. „Das ist auch wesent­lich mehr als im Vollzugs­dienst der Polizei“, sagte Sprecher Jörg Herold. So schleppe im Schnitt jeder Bediens­tete derzeit gut 40 Überstunden mit, obwohl die Mehrar­beit regel­mäßig in erheb­li­chem Umfang durch entspre­chende Vergü­tungen abgegolten werden konnte. „Es gibt zu wenig Personal“, benannte Herold einen Grund der Entwick­lung. Dazu kommen anhal­tend hohe Kranken­stände von durch­schnitt­lich 36 Kalen­der­tagen pro Kopf und der Anstieg nicht planbarer Abgänge. Dabei handelt es sich vor allem um vorzei­tige Verset­zungen in den Ruhestand - aus gesund­heit­li­chen Gründen. „Die Bediens­teten gehen genauso wie bei der Polizei mit 62 und nicht mit 67 in Pension“, erklärte Herold. Und das Durch­schnitts­alter im allge­meinen Vollzugs­dienst liegt bei über 47 Jahren und ist im bundes­weiten Vergleich hoch.  Zudem bestehen den Angaben zufolge neue Probleme im Straf­vollzug: „Immer mehr Gefan­gene sind drogen­ab­hängig oder haben Kontakt mit Crystal“, sagte Herold. Zudem stammt inzwi­schen jeder fünfte Gefan­gene aus dem Ausland - im Laufe des vergan­genen Jahres stieg der Auslän­der­an­teil unter den Inhaf­tierten von 16 auf 20 Prozent. „Das erfor­dert mehr Zeit, etwa wenn erst ein Dolmet­scher geholt und tätig werden muss.“ Da dauere nicht nur die Kommu­ni­ka­tion länger. Insge­samt gibt es 1.723 Bediens­tete im Justiz­vollzug, die in Voll- oder Teilzeit arbeiten. Obwohl frei werdende Stellen so schnell wie möglich nachbe­setzt werden, besteht laut Herold ein Defizit, das die Zahl der Überstunden weiter wachsen lässt.